Pflege und Wohnen im Kreis

Informationen zur Pflegeversicherung


Pflegefall – was tun?


Manchmal kann es ganz schnell gehen: Ein Unfall, ein Sturz - und jemand aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis oder Sie selbst werden pflegebedürftig. D.h., grundsätzlich kann Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes in allen Lebensabschnitten auftreten. Nach der Definition im Elften Buch Sozialgesetzbuch- Soziale Pflegeversicherung sind Personen erfasst, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in den Bereichen der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität, und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Was ist zu tun, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt » 

1. Setzen Sie sich mit Ihrer Kranken-/Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe in Verbindung und stellen dort einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung. Selbstverständlich kann das auch ein Familienangehöriger, Nachbar oder guter Bekannter für Sie übernehmen, wenn Sie ihn dazu bevollmächtigen. Sofern Sie es bereits einschätzen können, teilen Sie Ihrer Pflegekasse bei der Antragstellung mit, ob Sie zu Hause oder in einem Pflegeheim gepflegt werden möchten.

2. Die Pflegekasse hat Ihnen unverzüglich nach Eingang des Antrags auf Leistungen der Pflegeversicherung eine Vergleichsliste über die Leistungen und Vergütungen der zugelassenen Pflegeeinrichtungen zu übermitteln. Auch können Sie sich über anerkannte niedrigschwellige Betreuungsangebote beraten lassen.

3. Sie haben darüber hinaus einen Anspruch auf frühzeitige und umfassende Beratung durch die Pflegeberaterinnen und -berater Ihrer Pflegekasse. Insbesondere wenn Sie einen erstmaligen Antrag auf Pflegeleistungen stellen, hat die Pflegekasse Ihnen unmittelbar nach Antragseingang einen konkreten Beratungstermin anzubieten, der spätestens innerhalb von zwei Wochen durchzuführen ist. Alternativ hierzu kann Ihnen die Pflegekasse auch einen Beratungsgutschein ausstellen, in dem unabhängige und neutrale Beratungsstellen benannt sind, bei denen er zu Lasten der Pflegekasse ebenfalls innerhalb von zwei Wochen eingelöst werden kann. Auf Ihren Wunsch kommt der Pflegeberater auch zu Ihnen nach Hause. Wenn es in Ihrer Region einen Pflegestützpunkt gibt, können Sie sich ebenso an diesen wenden. Näheres erfahren Sie bei Ihrer Pflegekasse. Die private Pflege-Pflichtversicherung bietet die Pflegeberatung durch das Unternehmen „COMPASS Private Pflegeberatung“ an. Die Beratung erfolgt durch Pflegeberaterinnen oder -berater bei Ihnen zu Hause, in einer stationären Pflegeeinrichtung, im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationseinrichtung. Telefonisch erreichen Sie die Pflegeberatung COMPASS unter der Rufnummer 0 800 101 88 00.

4. Sobald Sie Leistungen der Pflegeversicherung beantragt haben, beauftragt Ihre Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Begutachtung zur Feststellung Ihrer Pflegebedürftigkeit.

5. Führen Sie ein Pflegetagebuch darüber, bei welchen Verrichtungen Sie Hilfe benötigen (zum Beispiel beim Waschen, Anziehen, Essen) und wieviel Zeit diese Hilfe in Anspruch nimmt. Diese Angaben sind wichtig für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK).

6. Bitten Sie Ihre Pflegeperson, bei der Begutachtung durch den MDK anwesend zu sein.

7. Versuchen Sie einzuschätzen, ob die Pflege längerfristig durch Ihre Angehörigen oder andere Pflegepersonen durchgeführt werden kann und ob Sie ergänzend oder ausschließlich auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zurückgreifen möchten.

8. Ist die Pflege zu Hause nicht möglich, so können Sie sich über geeignete stationäre Pflegeeinrichtungen informieren und beraten lassen.

9. Bei allen Fragen stehen Ihnen die Pflegeberaterinnen und -berater Ihrer Pflegekasse sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegestützpunkte vor Ort selbstverständlich immer zur Verfügung. Informationen erhalten Sie auch über das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit unter 030 / 340 60 66-02. Privat Versicherte können sich jederzeit an das Versicherungsunternehmen wenden, bei dem sie versichert sind, oder an den Verband der privaten Krankenversicherung e.V., Gustav-Heinemann-Ufer 74c, 50968 Köln.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter anderem unter: www.aok-gesundheitsnavi.de www.bkk-pflege.de www.der-pflegekompass.de (Knappschaft, LSV, IKK) www.pflegelotse.de (vdek) www.pflegeheim.weisse-liste.de Quelle: www.bundesgesundheitsministerium.de

Pflegegrade »

In Zukunft werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen. Fünf Pflegegrade ersetzen die bisherigen drei Pflegestufen. Mit der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen gemessen und – mit unterschiedlicher Gewichtung – zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad.

Die sechs Bereiche sind:
1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Hauptleistungsbeträge in Euro

  PG1 PG2 PG3 PG4 PG5
Geldleistung ambulant 125* 316 545 728 901
Sachleistung ambulant   689 1298 1612 1995
Leistungsbetrag stationär 125 770 1262 1775 2005

(*Hier keine Geldleistung, sondern eine zweckgebundene Kostenerstattung)

Viele erhalten mehr Leistungen,niemand wird schlechter gestellt

Wer bereits Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird per Gesetz automatisch in das neue System übergeleitet. Niemand muss einen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. So wird für die Betroffenen unnötiger zusätzlicher Aufwand vermieden. Dabei gilt: Alle, die bereits Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, erhalten diese auch weiterhin mindestens in gleichem Umfang. Die allermeisten erhalten sogar deutlich mehr.

Konkret gilt die Formel: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet.

Beispiel: Pflegestufe I wird zu Pflegegrad 2
Pflegestufe III wird zu Pflegegrad 4

Menschen mit geistigen Einschränkungen kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad.
Beispiel: Pflegestufe 0 wird zu Pflegegrad 2
Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird zu Pflegegrad 4 


Quelle:Bundesgesundheitsministerium, Stand 01/2016

 

Pflegestärkungsgesetze »
Mit den Pflegestärkungsgesetzen hat ein Umdenken in der Pflege stattgefunden.

Die Pflegestärkungsgesetzte bringen Leistungsverbesserungen für 2,9 Mio pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Nun stehen seit Januar 2017 jährlich 5 Mrd Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung. Gerade Menschen mit Demenz erhalten nun auch einen gleichberechtigten Zugang zu allen Leistungen der Pflegeversicherung.

1. Das Erste Pflegestärkungsgesetz ist bereits seit Januar 2015 in Kraft getreten und hat viele Leistungsverbesserungen für Pflegebedürftige und Ihre Angehörigen gebracht.

2. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz wurde im Januar 2017 ein neuer Pflegedürftigkeitsbegriff eingeführt. Fünf Pflegegrade ersetzen die bisherigen drei Pflegestufen. Ab jetzt erhalten alle Pflegebedürftigen unabhängig ob eine körperliche, psychische oder geistige Erkrankung vorliegt, gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung.

3. Mit dem 3. Pflegestärkungsgesetz, das ebenfalls im Januar 2017 in Kraft getretene Gesetz soll die Rolle der Kommunen in der Pflege stärken und baut somit die Beratung vor Ort zu den Pflegeleistungen weiter aus. Damit werden gemeinsam erarbeitete Empfehlungen der Bundesregierung mit den Ländern und kommunalen Spitzenverbänden umgesetzt. Durch verschärfte Kontrollmöglichkeiten soll Abrechnungsbetrug in der Pflege verhindert werden und Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie die Versichertengemeinschaft den notwenigen Schutz erhalten.

mediatogo - bisingen

Pflege und Wohnen im Kreis - alle Pflegeeinrichtungen in Ihrem Kreis -
gebundene Broschüren bisher erschienen im Kreis Karlsruhe, Sigmaringen, Böblingen,
Offenbach, Calw, Konstanz, Tuttlingen, Freudenstadt, Zollernalbkreis, Ortenaukreis, Bodenseekreis.

© mediatogo | Balingen | 2015 

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